Sonntag, 16. Mai 2010

Geschichten aus der Nordstadt Teil II oder: Warum man hier gut zu Vögeln ist

Ich bin fassungslos. Ungefähr drei Wochen nach dem Verkauf des alten Hauses Axt liegt bei mir ein Schreiben des neuen Besitzers auf dem Tisch. Kündigung wegen Eigenbedarfs. Na toll. Nicht, dass ich nicht schon das Damokles-Schwert über mir baumeln fühlte, als ich das Schreiben bezüglich des Eigentümerwechsels öffnete (siehe letzter Post). Nur wusste ich damals nicht, dass auf dessen Schneide „Rauswurf“ eingraviert war. Es ist also offiziell: Meine kleine Familie wird bald ihre Zelte in der Kielstraße abreißen. Doch damit nicht genug. Auch werden wir die Nordstadt verlassen. Hinaus in die grüneren Stadtteile, in die ruhigeren. Meine Freundin hält den Gedanken nicht aus, dass unser Spross im Sandkasten statt des Förmchens bald die Spritze in der Hand hält und freundlich zum Gruße damit herumwedelt, als sei es nur eines von vielen Spielzeugen. Zumal die frei zugänglichen Sandkästen eher großen Aschenbechern gleichen – ein abgeschlossener und bewachter hingegen ist bspw. an Feiertagen nicht geöffnet; wie sinnvoll. Den Westfalenpark fußläufig zu erreichen und am Besten noch einen preisgekrönten Kindergarten nebst Grundschule um die Ecke, sowie das Objekt mitten im Wald scheint da eher favorisiert zu werden. So ändern sich die Zeiten. Einst, vor einem Jahr, kamen wir wegen der bevorstehenden Niederkunft in die Nordstadt, jetzt ziehen wir wegen der kleinen Frucht wieder weg.
Dabei hat es so schön angefangen. Wie gern habe ich im letzten Sommer auf dem Balkon gesessen, den Vögeln gelauscht, während ich eines meiner unvergleichlichen linguistischen Referate vorbereitete. Man mag es kaum glauben, wenn man die Missundestraße hinab läuft, die abgewrackten Bauten samt ihrer abgewrackten Bewohner begutachtet und jede Sekunde den Ausbruch eines blutigen Bandenkrieges bevorstehen fühlt. Doch die Nordstadt ist beizeiten ruhig, ja, regelrecht inspirierend. Auch, wenn der Balkon zum grauen Hof bei Sonnenhöchststand nur ca. drei Minuten direktes Sonnenlicht am Tag genießen darf. So verblüffte mich doch die Frage eines Kommilitonen, den ich während eines Telefongesprächs auf den Balkon entführte. Er wollte nämlich plötzlich wissen, ob ich Vögel halte. Das konsternierte Warum als natürliche Reaktion einer Gegenfrage dürfte recht eindeutig als Antwort gedient haben. Er meinte, er höre eben immer so viel Vogelgezwitscher, wenn er bei mir anriefe und stelle sich dabei vor, wie ich mit ihm telefonierend durch meine begehbare, hauseigene Voliere spaziere und hier und da den Aras ein Stück Ananas zum Snacken reiche. Wohl kaum. Und doch scheint das Vogelmotiv eine Konstante des Quartiers zu sein. Nicht nur, dass das großstädtische Drecksgefieder in Form von Krähen und ewig scheißenden Tauben die Bäume bevölkert und ich im späten Winter semi-romantisch mit meiner Freundin vom Bette aus einem Elsternpaar beim Nestbau zuschauen kann. Auch sonst scheint dieses Viertel von Vögeln vollständig okkupiert zu sein.
Ein Freund, der bei mir zu Besuch gewesen ist und freundlicher Weise um Mitternacht am Nordmarkt Bier für uns besorgte, erzählte mir bei seiner Rückkehr folgende Fabel: Während er wartete, hatten noch zwei Kunden vor ihm das Vergnügen eines mitternächtlichen Einkaufs. Der erste zählte wieder und wieder seine Kupfermünzen und feilschte mit dem genervten Verkäufer um ein paar Cent, der seinem Kunden dann resignierend die Flasche Hansa schenkte. Der nachfolgende Durstige hielt dem Mann hinter der Kasse zur Bezahlung seines Bieres einen großen grünen Schein hin, worauf hin dieser abermals fluchend eine Flasche aus Haus gehen ließ. Vögel.
Meine Lieblingsgeschichte allerdings ereignete sich kurz nach unserem Einzug ins Hause Axt. Der letzte zweisame Urlaub steht mir und meiner hochschwangeren Freundin bevor, es ist Pfingstsonntag. Wir haben soeben unsere Tasche gepackt und stehen in den Startlöchern für eine Woche Entspannung an der Ostsee. Da höre ich's im Hausflur poltern. Eine Tür knallt, die dann wieder aufgerissen wird. Ich schiebe meinen Kopf vorsichtig durch die Wohnungstüre, um das Streitgespräch, was darauf folgt, belauschen zu können. Ich höre eine wimmernde Frauenstimme, die vom Stock über uns ihr Gegenüber offenbar zu besänftigen versucht, denn immer wieder höre ich „Lass das!“ und irgendwann „Tu das Messer weg!“ Bei mir folgt reflexartig das fluchtartige Schließen der Tür, sowie der verängstigte Griff zum Telefonhörer. Als ich dem Polizeibeamten am anderen Ende die Adresse nenne, gibt dieser hörbar schmunzelnd zu erkennen, dass dies wohl nicht das erste Mal sei, dass unser bescheuerter Nachbar verhaltensauffällig wird. Im Übrigen ein ganz übler Typ mit einer Schüttelkrankheit, die möglicherweise auch vom übermäßigen Drogenkonsum kommen mag, bleich und dürr und mit einem derart psychopathischen Blick, dass einem angst und bang wird. Spätestens, wenn er ohne seine obligatorische Baseballmütze die Wohnung verlässt, denn dann vervollkommnet sich das Bild durch seinen vernarbten Schädel, der nur büschelweise Haare trägt und sonst eher kahl ist. Was nach dem Anruf folgt, kommt einer blöden Krimiserie gleich. Erst kommt die Polizei, die die Tür eintritt und dem Stecher schreiend die Waagerechte auf dem Boden befiehlt. Dann wird er abgeführt. Kurze Zeit später steht dann erst die Kripo bei uns auf der Matte, die mich mustert und dann feststellt, dass der Vorgang wohl doch eher eine Etage über meiner Wohnung abgelaufen sein musste. Später, als wir dann endlich ins Auto steigen, um unsere Urlaubsreise anzutreten, fährt dann noch die Drogenfahndung vor, die mit zwei Schäferhunden das Haus begeht. Das sehen wir nur noch im Rückspiegel. Das Blut der Verletzten, die sich allerdings schon verpisst hatte, als die Bullen kamen, war aber auch noch nach unserer Rückkehr als dunkelrote Sprenkelung auf den Treppenstufen im Hausflur zu bewundern.
Nicht zuletzt aber ist ja die Nordstadt vor allem zum Vögeln gut, wie jeder weiß und die Wendung hinterm Hornbach auch nur ein Synonym für „Straßenstrich“. Das dortige Personal kommt dann auch mal gern auf dem Fahrrad bis in die Kielstraße gefahren. Im Minirock. Ohne Unterwäsche. Abgerockt und durchgenudelt. Ich habe einst nach diesem unfreiwilligen Anblick mehrere Nächte schlecht geschlafen.
Die einzige vogelhafte Existenz, die mir völlig gewogen ist, und hier schließt sich der Kreis, ist das Café am Nordmarkt, das von seinen Betreiberinnen möglicherweise in vollkommenem Bewusstsein der übrigen ornithologischen Präsenz rund um den Nordmarkt schlichtweg Fink getauft wurde. Hier lass ich die Vögel Vögel sein. Und genieße meine Vogelfreiheit bei einer Tasse Kaffee.
Ach, wenn ich doch ein Vöglein wär und auch zwei Flügel hätt'... I'd spread my wings and fly away... Stattdessen kommt ein Vogel geflogen. Und kackt mir aufs Dach. Alles Gute kommt von oben. Schöne Grüße von einem Zugvogel, der kurze Rast im schönsten Stadtviertel Dortmunds machte.
Cheers, h*

Montag, 26. April 2010

Schweigen ist Gold oder: Warum mehr manchmal weniger ist

Es ist vollbracht. Ab sofort gehört das Haus, in dem ich mit meiner Familie ein wirklich bezauberndes Appartement bewohne, dem arabischen Inhaber eines Sonnenstudios, wie ein Brief des neuen Eigentümers mir heute mitteilte. Und schon hat das Haus auch optisch an Charme verloren. Denn bereits gestern traf ich den Hausmeister, der vorm Hoftor auf einer Leiter stand, um den schönen Schriftzug der ehemaligen Weinkellerei und Schnapsbrennerei Karl Axt zu entfernen, der in Frakturlettern den Namen des Inhabers – und ebenfalls den seines Sohnes, der bis vor Kurzem unser Vermieter gewesen ist – lesbar machte. Heute erinnern nur noch die gekappten Stahlverankerungen an dessen einstige Existenz, die wie Stigmata aus der Hauswand über der Toreinfahrt ragen. Auch das schwere Messingschild neben der Haustür mit dem Hinweis auf die damalige Alkoholmanufaktur hat der Junior zurückgefordert und vom rheinländischen Ruheständler abschrauben lassen. Als ich mit meiner Freundin letztes Jahr einzog, hatte das Haus zumindest noch Esprit, jetzt ist es auch nur irgendein Haus in der Dortmunder Nordstadt, abgewohnt, halb leerstehend und abgewrackt. Wie alle anderen auch. Und der Hausmeister ist offensichtlich auch ganz froh, wenn er den Sauhaufen hier nicht mehr in Schach halten muss. Zumindest ist über seine Zukunft im Hause ehem. Axt noch nicht entschieden worden.
Alles geht den Bach hinunter. Ein Zitat frei nach Robert Jungk allerdings sieht das anders. Findige Nordstadtinitiatoren haben beim Erstellen des Plakates, das an der Heiligegarten-, Ecke Bornstraße eine Hauswand ziert, auch nicht zu tief gestapelt, als sie beim „freien“ Zitieren einfach mal „Welt“ durch „Nordstadt“ austauschten: Die Nordstadt kann verändert werden. Zukunft ist kein Schicksal. Und gegenüber am bewohnten Pendant zum sogenannten „Horrorhaus“ fehlt immer noch der Leuchtstoff im halben Schriftzug der hoffnungsvollen Parole Im Norden geht die Sonne auf. Widdewiddewitt und Drei macht Neune.
Vielleicht wäre es angebracht, den Slogan zu ändern, um die ganze Rutsche endlich mal wirklich in Fahrt zu bringen. Und was würde sich da besser eignen, als jene nicht totzukriegende Wendung, die alles und nichts bedeutet und daher branchenübergreifend immer wieder sinnfrei zum Einsatz kommt. Es geht um den mittlerweile zum feststehenden Begriff mutierten Leersatz der Endung …und mehr. Seit jeher versuchen mittelständische Unternehmen mit jenem beknackten Beisatz Kunden durch dieses esoterisch-geheimnisvolle Mehr anzulocken. Doch ist es nicht vielleicht sogar weniger, dieses Mehr? Oder gar noch klischeehafter, wenn für maritimen Fernurlaub und fischige Feinkost sogar die Rhetorikkeule geschwungen und klammerhaft von me(e)r gesprochen wird? Oder war es mee(h)r oder doch me(h)r? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass es kaum noch einen Tante Emma-Laden, Kiosk oder Aquarienhändler gibt, der nicht behauptet, es gebe bei ihm noch mehr als es in seiner Branche üblich sei. Doch, um wieder mal mit Herrn Waalkes Formulierung zu polemisieren, was mögen uns diese Worte sagen? Was heißt es, wenn Kleinstunternehmer von mehr sprechen? Café und mehr, Textilien und mehr, Pflastersteine und mehr, Arschgeweihe und mehr… Heißt es wirklich: Hey, Leute, alle anderen verkaufen unter der Bezeichnung Kaffee und Kuchen, ich sogar Wasserpfeifen und Crack! Oder heißt es: Wer hier einkauft hat sich ruckzuck in meine Angestellte verliebt, sie geheiratet, drei Kinder mit ihr gezeugt und sich bis an sein Lebensende daran erinnert, dass er sie beim Kauf eines meiner Produkte kennen gelernt hat. Oder vielleicht auch: Meine Produkte zeichnen sich durch zusätzliche Eigenschaften aus, die unüblich sind, bspw. Kaffee, der wie Tee schmeckt; Fische die Milch geben; Gartenmöbel, mit denen man ins Internet gehen kann oder Bonbons, die einen auf die doppelte Körpergröße anwachsen lassen. Möglicherweise stellt das aber auch die Warnung dar, wie z.B. Wer hier nur einen Lolli kauft, muss erstmal den Laden putzen! Oder in der Gastronomie, dass in Arbeitskraft bezahlt werden muss, wie beispielsweise mit dem Reinigen des Küchengeschirrs. Steak und mehr bedeutete dann: Iss ein Steak und verbringe noch ein bisschen Zeit bei uns, die Friteuse müsste mal wieder gereinigt werden! Wer weiß…

Einer meiner absoluten Lieblingsslogans in der Hinsicht stammt übrigens von der Firma Blesel an der A46 in Hagen, welcher mittlerweile wahrscheinlich wegen der umstrittenen Marketingwirkung umformuliert wurde, leider. Und zwar warb die Firma vor ein paar Jahren mit dem Wortbrei Blesel – Fast alles für’s Büro. Na, toll. Noch besser, man würbe total wild entschlossen und standfest folgendermaßen: Weyland. Schuhe und so. Oder Weyland, Markenartikel u.ä. GmbH. Also, wie stelle ich mir das vor? Verkauft man bei Blesel Schreibtischstühle, aber keine Schreibtische? Radiergummis aber keine Bleistifte? Tinte aber keine Füllfederhalter? Oder verkaufen sie vielleicht Reizwäsche, Plüschhandschellen und Fetischgarnituren und haben eine kleine Abteilung mit Chinakladden und einen Moleskine-Aufsteller mit Notizheften und Agendas für freiberufliche Schriftsteller? Oder ist das eine juristisch vereinbarte Bezeichnung, damit sich keiner denkt: Ich benutze bei der Arbeit am PC immer eine Trockenhaube für meine Dauerwelle und Blesel hat ja alles für’s Büro, so auch genau eine solche. Und wenn es diese nicht bei denen zu kaufen gibt, verklage ich sie aufgrund der feisten Behauptung, alles für's Büro zu führen. Auf die sichere Seite gebracht durch den Firmenanwalt von Rechtsbeistand und mehr in Hagen, der Herrn Blesel riet, sich hierdurch abzusichern, einfach zu behaupten, es gebe fast alles, kam dann dieser geniale Werbeslogan heraus.
Funktioniert genau wie der allseits beliebte Serviervorschlag, der dem geneigten Käufer von in Tüten und Kartons verpackten Lebensmitteln gemacht wird. Denn jene euphemistische Abbildung des Produktes auf der Verpackung, die natürlich keinesfalls auch nur annähernd mit dem Produkt selbst auch nur irgendeine Ähnlichkeit besitzt, soll dem Käufer lediglich den Mund wässrig machen. Da jedoch die Ristorante von Dr. Oetker nicht nur geschmacklich sondern auch optisch eine Beleidigung der Bezeichnung Pizza ist, hat man bei der gephotoshoppten Abbildung des mit Restmüll belegten Brandkrustensnacks in Deutschland jenes wirre Wort an den Rand der Verpackung zu schreiben. Der Konsument, so heißt es im Gesetz, darf nicht in die Irre geführt werden. So bestünde quasi die Möglichkeit, den Hersteller zu verklagen, weil in der transparenten Salamipackung ja gar keine Wurst mit Petersilie auf einem Porzellanteller befindlich gewesen ist, obwohl beides doch vorn abgebildet wird. Also, nein, das geht nun wirklich nicht. Zum Schutze nennt man die Abbildung Serviervorschlag und begibt sich in den Aggregatszustand der Hieb- und Stichfestigkeit. Danke, Deutschland, von dir kann man soviel lernen. Denn du machst dir die Welt widdewidde wie sie dir gefällt.
Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Crackhuren und mehr. Nordstadt Dortmund.
Cheers, h*

Freitag, 23. April 2010

Don’t hesitate to innovate oder: Why Deutsch makes no sense in this bizz, which is like no bizz

Ich werde ständig darauf angesprochen, warum ich meine Songs auf Englisch schreibe. Ich antworte stets, keck und aufgeweckt, ich möchte ja schließlich nicht nur die Spitze der deutschsprachigen Charts anführen, sondern die der ganzen Welt. Und das haben leider weder Olli P. noch Jasmin Wagner alias Blümchen je geschafft. Und wenn, versuchte man krampfhaft, wie zuletzt Genannte, seine ohnehin schon sinnbefreiten Texte (Ich erinnere: „Wie ein bum, bum, bum, bum, Bumerang, komm ich wieder bei dir an…“) ins Englische zu übersetzen. Ich spar mir also einen Weg.
Auch wenn ich damals in Hamm Blümchen echt toll fand. Weiß der Geier, was mich als Teenager geritten hat, mir einen derartigen Schwachsinn anzuschauen. Immerhin stand ich das Konzert über neben dem Mischpult. Bester Sound im Saal, verstehste… Der Plan, mein mitgebrachtes BRAVO-Poster signieren zu lassen, schlug allerdings fehl. Und dabei dachte ich, dass ich der einzige mit der tollen Idee sei, die charmante Hamburgerin mit eben jenem Wunsch zu behelligen. Mein erstes großes Popkonzert war’s, was ich sonst eigentlich gern unerwähnt lasse und bis zum Splash! springe, um zu erzählen, wann ich das erste Mal vor einer großen Bühne gestanden habe. Blümchen vs. Samy Deluxe lässt wohl kaum offen, warum. Werde ich doch redselig, meist in Kombination mit alkoholhaltigen Getränken, rede ich mich stets damit raus, dass ich‘s der Klassenkameradin zuliebe tat, mit der ich jenes Konzert in Hamm damals besuchte. So konstatiere ich dies auch hier, damit die werten Leser dieses Blogs nicht auch nur im Entfernten darauf kämen, dass mal Poster von Jasmin Wagner direkt über meiner Bettkante hingen. Zwei oder drei, ich weiß es nicht mehr genau. Das Verblüffende an diesen Zierpapieren allerdings war ein Detail, dessen Bedeutung mir erst heute zur Gänze bewusst wird. Die ganze Schrecklichkeit der bösen Musikbranche ist nämlich im Vergleich der beiden Poster offenbar. Das Poster der Newcomerin zeigt Blümchen in einer knallrosa Plastikjacke und der wunderhübschen Naturkrause, sowie dezentem Makeup und schüchternem Blick. Das andere Poster, auf dem Weg zur Popschlampe, bildet Jasmin als Vamp in einem schwarzen Lackkorsett und gebundenem Haar ab. Jedoch nicht etwa die Wandlung vom kleinen Mädchen zur Charthure ist, was mich so beschäftigt. Schließlich sieht man das alle Nase lang. Nein, vielmehr der Blick auf die Fingernägel ist, was im Vergleich der beiden Abbildungen frappiert. In jungen Jahren offensichtlich noch Hornfräserin erster Kajüte, die ihre Maniküre offensichtlich stets mit dem Kauwerkzeug erledigte, hatte Jasmin wohl von ihren Vorgesetzten eine dreiwöchige Entzugskur verordnet bekommen, die sie darauf trimmen sollte, das Kappen der Nägel an Profis mit Werkzeugen out zu sourcen. Denn auf dem Poster, was ich chronologisch korrekt rechts neben dem Erstling platziert hatte, waren die Hände bis in die Spitzen gepflegt und von Verlegenheitskauerei keinerlei Spur mehr. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn auch ich, in jungen Jahren wohl ADHS-Kind, wäre die Schublade damals schon erfunden gewesen, ließ meine Hyperaktivität gern am Kalk meiner Flossen aus. So beschert mir auch heute noch meine ungesunde Grundnervosität schäbige Finger, die ein gefundenes Fressen für jeden Nailstylisten wären. Vorausgesetzt es gibt auch in dieser Branche Extensions. Oder ich steige früher oder später auf Handschuhe um.

Eigentlich ging es aber um etwas völlig anderes, denn nicht die mangelnde Schönheit des menschlichen Greifwerkzeuges sollte in diesem Beitrag besprochen werden. Vielmehr wollte ich über die Texte musikalischer Werke sprechen. Nebenbei erwähnt hatte Blümchen wohl eher keinen Erfolg mit den ins Englische übersetzten Hits, die in Deutschland monatelang aus den Dizzen nicht weg zu kauen waren. Tokio Hotel scheinen da mehr Zeitgeist zu treffen.
Ich möchte aber hier mal ein Beispiel als Antwort geben, warum es meist allerdings wirklich klüger ist, auf Englisch zu texten. Fernab von einfallsreichen Beinahe-Gedichten wie Jürgen Drews neuestes Verbrechen „Parapapapapapapaprika Bumm, Parapapapaprika, ich fall um…“, gibt es sogar Fehltritte von Größen, die als Singer und Songwriter einen derartigen Vorbildcharakter darstellen, dass man ihnen hieb- und stichfeste Lyrik als Songtext unterstellt, ohne jemals wirklich hingehört zu haben. Das Studium einiger Werke von Neil Young zum Beispiel hat mich kürzlich enorm schockiert. Auf dem 72er Erfolgsalbum Harvest¸ auf dem sich ebenfalls der totgespielte Klassiker Old Man befindet, stößt man in der Tracklist auf einen interessanten Song, der mit A man needs a maid betitelt ist. Und wie hier schon geahnt wird: Ja, Alice Schwarzer hätte allen Grund auf die Barrikaden zu gehen, veröffentlichte man einen ähnlichen Song in deutscher Sprache hierzulande. Jedoch ist es nicht nur der chauvinistische Gehalt der Zeilen „Just someone to keep my house clean, fix my meals and go away“, der mich stutzig machte. Ebenfalls die Inszenierung machte mir schwer zu schaffen. Denn wir reden hier nicht von einem Beatles-Hit wie Obladi Oblada oder dem fantastischen We all live in a yellow submarine oder gar I wanna be under the sea, in an octopusse’s garden in the shade. Dies sind Songs, die sich auch musikalisch nicht ernst nehmen und ebenfalls nicht als tiefgründiges Liedgut verstanden wissen wollen. Was Young hier allerdings spielt, ist ein melancholischer Song in Moll, in dem er leidend konstatiert, dass er jemanden braucht, der sein Haus sauber hält. Es kommt aber noch besser. Denn der Refrain setzt mit einer orchestral-hochtrabenden Traurigkeit ein, wenn Neil noch hochtrabender die Titelzeile singt. Darauf folgt ein düsterer Akkordwechsel, um jene Folgezeile einzuleiten „It’s hard to make the change…“ Spätestens jetzt ist Young nur noch fingerspitzenbreit von der Drewschen Paprika entfernt, denn, um es mit Ottos Worten zu formulieren: Was wollen uns dieser Worte sagen? Ist es schwer, die Verantwortung des Haushaltes in die Hände einer möglicherweise kleptomanischen Feudelschwingerin zu übergeben? Oder ist es schwierig zu akzeptieren, nicht jeden Morgen zwischen den leeren Schampus- und Whiskeypullen nebst Erbrochenem aufzuwachen, weil frisch und fröhlich schon die junge Dame mit den Gummihandschuhen am Werk gewesen ist? Von Herrn Young werde ich wahrscheinlich keine Antwort darauf zu hören bekommen. Für meinen Interviewer, der stets meint, eine tolle Frage an mich gestellt zu haben, ist dies aber ein ziemlich gutes Beispiel, warum ich auf Englisch Songs vertexte. Alle deutschen Konsumenten würden mich für ziemlich bekloppt halten, würde ich einen ähnlichen Song à la „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann“ in mein Repertoire aufnehmen und jenen mit selber Leidensfähigkeit präsentieren wie Young seinen Frühjahrsputz-Song. It’s hard to make the change. Sehe ich auch so. Daher bleibe ich beim authentischen Englisch, die Sprache, in der alles einfach gut klingt. Nicht umsonst wird die deutsche Sprache vor allem im Business-Bereich nicht bloß überflutet, sondern ausrangiert. Preisfrage: Man nenne mir ein deutsches Pendant zum Wörtchen Service. Ich meine nicht „Dienstleistung“, sondern etwas wie „der Service der deutschen Bahn“. Danke. Und spätestens beim Thema Liebeslied, an dem jeder Amateur sich sofort als Laie verrät, wenn er zum billigen Abziehbild von Rilke wird, kommt man ums Englische nicht mehr herum. Eine geschätzte Kollegin von mir verriet daher in einem Interview auf eben jene gern gestellte Frage, warum sie Englisch schreibe, sie finde es leichter. Applaus für so viel Mut der Selbstbekenntnis, den ich nur unterstützen kann.

Und außerdem: Kein geringerer als Hartmut Engler, der Titan und Vorreiter der deutschsprachigen Pop-Rockmusik, Frontsänger und Frisurenbagatellist der Erfolgsband PUR, hat vor ein paar Jahren sein Solo-Album auf Englisch verfasst. Hut ab! Denn modern ist Deutsch nicht mehr, mittlerweile ist es Mainstream. Und, lieber Interviewer, ich mach’s eben wie Engler. Denn wir beide wissen, in welche Richtung tote Fische schwimmen. Amen.
Cheers, h*

Dienstag, 2. März 2010

Geschichten aus der Nordstadt Teil I oder: Warum es im Norden nichts Neues gibt

Mein Nachbar hat den Arsch auf. Ehrlich. Reicht, zu sagen, dass der Hausmeister, der in der Nebenstraße wohnt, sich erkundigt hat, ob es uns nicht störe, dass der Herr aus dem Erdgeschoss, der immer dröhnenden Motors in die Einfahrt brettert, ungeachtet welcher Tages- und Nachtzeit 90er Jahre-Dancefloor schmettert. Und wer hatte ihm jenes berichtet? Ja, die Nachbarn im Haus gegenüber! Aber er zieht wohl aus, hat gekündigt. Das war die gute Nachricht. Somit steht dann ungefähr die sechste von zehn Wohnungen leer. Und irgendein Idiot hat das Haus jetzt gekauft. Wahrscheinlich aber nur, um seine 28-köpfige Familie darin unterzubringen, die er kurz nach dem Kauf mit einem klappernden, qualmenden Sprinter eigenhändig aus Antalya einfliegt. Großartig! Der wunderbare Balkon, der meine Freundin und mich dazu bewegte, die Immobilie zu mieten, wird dann demnächst also in die Hände von Menschen fallen, die es schaffen, ihn mit Verwandtschaft zu füllen, bis er einfach von der Hauswand bricht. Damit dann kurz danach im Hof weiter gegrillt werden kann.
Ja, ich wohne im Dortmunder Norden. Wo sich Katz und Maus Gute Nacht sagen, sich dabei aber nicht verstehen, da die eine Türkisch und die andere Arabisch spricht. Und zwar Dialekt! Es ist schon beachtlich, aber gehe ich im Sommer vor die Tür, um zum Bahnhof zu gelangen, fühle ich mich für fünfzehn Minuten wie im Urlaub: der Duft von Holzkohle, über der zartes Lamm grillt, die Öfen der Weißbrotbäckereien, dazu die fremden Klänge südlicher, sowie nahöstlicher Sprachen umgeben mich. Und auch die undeutschen Gesichter und Kleidungsstile – Stoffhosen, Wollpullunder und komische, blaugraue Strickmützen mit Bommeln, sowie Kopftücher, so weit das Auge der Fatma reicht – dominieren das Straßenbild. Die Bäckerin grüßt mich mit „Merhaba“ und lobt mich, weil ich das türkische Wort für Sesamring, Simit, so toll ausspreche. Die Integration läuft also spitze. Liegt auch an meinem Bart, sicherlich. Und auch wird wohl nirgendwo in der Stadt soviel Schrott und Ramsch verkauft, wie in der verkehrsberuhigten Zone, die sich zwei Schritte von meinem Zuhause entfernt gen Norden schlängelt. Münsterstraße – Dortmunds lebendiges Pflaster heißt es hier am Anfang jener Bummelstraße, in der sich ein Euro-Shop an den nächsten reiht. Hier und da unterbrochen von Dönerbuden, Frittenschmieden und Pizzerien. In den hiesigen Apotheken kann man froh sein, wenn man auf Deutsch bedient wird und die meisten Fronten und Beschilderungen von Geschäften sind unlesbar, da in geschwungenen arabischen Schriftzeichen. Auch der Gemüsehändler auf der Ecke denkt, dass MHD eine schlimme Krankheit sei und lässt deswegen das Rätsel offen, ob sich in der Kiste vor mir jetzt Zucchini oder Blattspinat befindet. Weil beides sich zum Verwechseln ähnlich sieht: braun und schlaff und dank Schwerkraft in die linke untere Ecke der Kiste zurückgerutscht. Gegenüber lädt ein Restaurant 24 Stunden am Tag zum Schmausen von Hülsenfrucht und Co. ein. Warum es allerdings gleich zwei dieser 24-Stunden-Grillgaststätten auf einer Strecke von 30 Metern gibt, ist mir bis heute ein Rätsel. Jeder kleinste Kiosk, ganz zu schweigen von der Gastronomie im Kreuzviertel kämpft ums nackte Überleben, während hier rund um die Uhr drei Kellner und vier Köche die rund 1,5 Gäste im Schnitt bewirten. In einem Gastraum, der sich sehen lässt – zehn Tische mit jeweils sechs Plätzen sind hier stets eingedeckt. Schon seltsam. Der deutsche Metzger nimmt’s mit Humor, und wirbt stiltreu mit einem kochmützenbedecktem Schweinchen über dem Eingang, während ein paar Meter weiter ein Ramadangebet durch die Moschee eiert. Ist das schon Multikulti? Oder die gefürchtete Parallelgesellschaft?

In jedem Fall fühle ich mich hier zu Hause. Gewiss könnte einiges anders laufen. Aber dies ist Dortmund und nicht Leipzig oder Dresden, Städte, in denen Alternativ mit großen Buchstaben geschrieben wird. Die vermeintliche Alternative Szene gibt es nicht in Dortmund. Obwohl immer wieder forciert wird, vor allem hier in der Nordstadt, jener einen Nährboden zu schaffen. Aber was wäre Alternativ, wenn von städtischer Seite ins Leben gerufen, von großen Geldgebern initiiert? Nein, alternativ ist alternativ, weil Künstler, Musiker, Autoren eine Alternative zum Mainstream suchen und eigene Trampelpfade begeht. Nun sind hier die Mieten billig oder großflächig Wohnhäuser unbesetzt. Die äußeren Umstände von Randexistenzen stark inspirierend und die Stadtnähe absolut gegeben. Und? Die Galerien, Ateliers, Klein-Bühnen sind wo? Nicht in der Nordstadt. Sondern im Kreuzviertel, der Studentenmeile, wo Vermieter mit teuren WG-tauglichen Wohnungen locken, deren Jugendstil-Fassaden auch einladen, ebenerdig Schaufenster mit bunten Gemälden auszustatten. Weiter weg von der Stadt, teurer, mainstreamiger. Dennoch ist hier fast ausschließlich die Dortmunder „Szene“ zu Hause. Traurig, denn der Spirit der Nordstadt ist nicht zu unterschätzen. Ich kenne eine Handvoll Kunstschaffender und man trifft sich schmunzelnd in einem Gespräch, um die Wohnsituation wissend, in einem fast konspirativen Schnack, wie Motorradfahrer, die sich entgegenkommend grüßen. Ein Café auf dem Nordmarkt, umspült von Alkoholleichen, Drogenwracks und Kapitalversagern, müsste eigentlich zum Bersten gefüllt sein mit Intellektuellen, die über einem heißen Kaffee ihre Pamphlete, Sonette und Lieder verfassen. Und? Ein Schornsteinfeger, ein paar Streetworker, zwei, drei Makler und natürlich der obligatorische Türke, der mit einem Kollegen Kaffee trinkt, sind das Stammpublikum. Irgendetwas läuft hier falsch. Oder läuft es gar nicht? Wie gesagt, ich bin sicher, dass Dortmunds Künstler die Nordstadt, die Alternativszene, die Hinterhofateliers, die besetzten Hausparties, die illegalen Sessions, nicht nötig haben. Die wenigen Angebote, die sich finden, reichen den Schöngeistern offensichtlich. Aber gut, die hiesigen Kunststudenten sind auch nur auf dem Weg zu Tafel und Lehrerpult. Ich bin also froh genug, dass die Studies, die bei mir im Hinterhof ihre Feuershow proben, in Richtung echter Streetart gehen, eigene Kultur- und Tanzveranstaltungen in den Stiel stoßen. Live-Musik, Ausstellungen, Installationen, Performances. Doch ist diese Truppe ein echtes Unikum, als Hippie-Kommune verschrien. Armes Dortmund! So wird sich der große Fahnenschriftzug Alternativ niemals durchsetzen. Auch nicht in der Nordstadt. Der so oft zitierten, von Wenigen literarisch bedacht, von noch weniger Menschen besungen. Und doch von hellen Geistern bewohnt, obwohl von einer Szene verlassen, die es nicht gibt. Beseelt von Fladenbrot und Lahmacun, von Tee, Gemüse, von langen Bärten, von Burkas, von Moscheen und Wettbüros. Von Trunkenen, Huren, Junkies, Grenzgängern, Bettlern. So ist das eben. Und wird sich so schnell nicht ändern.
Cheers! h*

Montag, 1. März 2010

Meldepause oder Warum Entschuldigungen aus den Bergen klingen

Meine längere Abstinenz vom WWW bitte ich zu entschuldigen. Mit folgendem Grund. Die wohl sinnfreieste Sportart, die der Mensch erfinden konnte. Und ich meine nicht Fußball oder Baseball. Auch, wenn deren Kurzbeschreibungen ähnlich banal ausfallen würden, wie diejenige, die meiner zugedacht ist: mit einem Lederball einen Kasten treffen oder mit einem Holzknüppel einen Lederball möglichst weit wegkloppen, um in dessen Flugzeit einmal im Kreis rennen zu können. Nein, die Sportart, die mich in der vergangenen Woche vom Schreiben abhielt, lässt sich folgendermaßen verknappt umreißen: einen Berg rauf fahren, um ihn auf zwei langen Holzbrettern wieder runter zu fahren. Nur, dass die Holzbretter mittlerweile aus High-Tech-Kunststoffen gefertigt werden und in Formen gepresst werden, die eine lange Entwicklung in Händen von Sportdiplomanden, -doktoren und -medizinern, sowie an Füßen williger Verletzungsopfer auf hanebüchenen Teststrecken durchlaufen haben. Es geht, der Insider mag es bereits erkannt haben, ums Skifahren, oder Schifoan, wie der deutsch-österreichische Bergbewohner sagt. Jene Sportart, die gerade in diesen Tagen den Österreicher auf die Palme bringt. Weil er in seiner ureigenen Disziplin bei den Olympischen Spielen in Kanada gnadenlos abkackt. Gegen die Deutschen, was ungefähr vergleichbar damit wäre, einen Dortmunder Borussen mit ansehen zu lassen, wie der FC Schalke im Endspiel gegen seinen Verein den Meisterschaftstitel erringt. Oder wie für die russische Schachwelt sehen zu müssen, wie Prügelknabe Klitschko Kasparov sang- und klanglos abkassiert. Aber der ist ja schließlich Doktor. Und dass nur dank tonnenweise Milchschnitte. Und besitzt einen eisenharten Willen, der einem Kevin Kuranyi gleichermaßen inne wohnt.
Nun gut. Ich war auf da Hütt'n, im Schnee, am Schlepper, im Sessel, kurz gesagt voll auf der Piste, um meinem relativ jungen Hobby zu frönen. Und habe mich nicht etwa um Kopf und Kragen die Schneehügel hinabgeschwungen und mir weder alle Knochen gebrochen noch irgendwelche Körperteile durch kreuzende Vollprofis und temposüchtige Vollspacken auf ihren tallierten High-Speed-Carvingbrettern abtrennen lassen. Nein, vielmehr war ich zu platt, um überhaupt zum virtuellen Stift und Zettel greifen zu können. Denn Aprés-Ski ist eine meist ziemlich unterschätzte Disziplin, der es genauso viel Training bedarf wie ihrer Schwestersportart. Und der Kater sollte in beiden Fällen professionelle Betreuung erfahren. Konterbier vs. Konterski. Was nicht heißen soll, dass ich die letzte Woche ausschließlich damit verbracht habe, steirische Schnapsspezialitäten zu verkosten und mich durch die Fassbiervorräte der überaus gastlichen Pension „Irxner“ mit Bergbauernhof zu saufen. Nein, ich war daneben auch wirklich auf den Brettern, die den Tod bedeuten. Zumindest, was einige seltener benutzte Muskelregionen, vor allem im Oberschenkelbereich, angeht. Und das seltsame Verhältnis zwischen Eis und Schweiß. Denn selbst trotz Minusgrade und Schneenässe bis zum Abwinken steige ich dampfend, stinkend und tropfend vor Schweiß aus meiner teuren Funktionswäsche. Abends in der Sauna aufheizen und kurz darauf nackend vor der Hütte stehen und auf die beschneiten Gipfel der Berge vor mir schauen. Seltsam. Aber schön.
Und auch sonst war alles perfekt. Mein Sohn drei Tage hoch fiebrig. Die abwechselnde Betreuung teilte den Skitag in zwei Hälften. Eine verregnete, neblige, verschneite für mich und eine sonnenbeschienene unter blauem, wolkenlosen Himmel für meine Gattin. Petrus spielte mir da mal wieder herrlich in die Karten. Ich ließ mich dennoch nicht abhalten und machte Abfahrt nach Abfahrt. Und auch meine Stürze waren diesmal wieder legendär. Ich will dazu sagen, dass ich noch keine lange Erfahrung im Umgang mit den Carbon-Vehikeln habe. Trotzdem sieht es sicherlich witzig aus, wenn ein behelmter Schneehase aus dem Stand umfällt und in die kristallin-weiße Form des Wassers sinkt. Nur gut, dass ich mich dabei nicht mehr großartig verletze. Und ja, ich bin vielleicht altmodisch. Denn der Coolness eines Mittzwanzigers des 21. Jahrhunderts gemäß hätte ich vor vier Jahren doch eher die Fortbewegung per Snowboard lernen sollen. Feiger Hund wie ich bin, zog ich diesem starren Gerät das Bretterpaar vor. Woran ich gut tat, denn die Blessuren, die ich an meiner Schwester sehen konnte, mit der ich die letzte Woche zusammen die Piste geräumt habe, sind eher was für rotten.com oder das Photoshop-Tutorial Bearbeiten von Blauen Flecken: Wenn Rot und Violett zu harmlos sind. Und sie erlernte eben das Balancieren auf dem Brett, während ich meine Schwünge übte.
Jeder Aprés-Ski Abend wurde dann mit reichlich Diätfeindlichem gefeiert. Fleisch, Fettes und Süßes und dazu das gute Schladminger Pils (product placement, ganz unverfroren) und dem obligatorischen „Zirben“: die Frucht eines Nadelbaumzapfens, verbotener Weise gepflückt, angesetzt mit Obstler. Schmeckt wie Hustensaft mit Latschenkieferaroma. Wird in einigen Haushalten bestimmt auch als Raumerfrischer verwendet. Oder zum Zähneputzen. Hier aber ausschließlich zum Training der Leber durch innere Anwendung. Flaschenweise. Gut also, dass man tagsüber wenigstens durch Kniegas die Schenkel zum Lodern bringt und massenhaft die Kalorien verbrennt, die auf da Hütt'n ruhigen Gewissens wieder eingefahren werden dürfen. Und Prost!
Entspannung ist hier also kein Tagesordnungspunkt gewesen. Ebenso wenig aber dann auch das Verfassen von Literatur und Co. Ich hoffe, daher, dass meine Entschuldigung herzlich angenommen wird und verbleibe mit dem Versprechen auf baldiges Fortführen meines virtuellen Striptease. Für alle Schneeschieber, Pistenraupen und Loipenkracher. Herzlichst, Daddy W.
Cheers! h*

Freitag, 12. Februar 2010

Spaßfrei zum Bade oder: Warum ich Odysseus zu Dank verpflichtet bin


Ich habe mich verändert. Ich fürchte mich. Was ist bloß los mit mir? War ich nicht immer albern und furchtlos, mich vor aller Welt zum Affen zu machen?
Ja, ich erinnere mich zum Beispiel sehr gut an die Tage meiner Existenz als Klassenclown. Zusammen mit einem Schulfreund war ich sozusagen Spitzenreiter was das Erscheinen des Nachnamens im Klassenbuch anging. Weyland, stand da immer, stört wiederholt den Unterricht. Soll heißen, ich hatte es einfach drauf, den gelangweilten Haufen während der Geschichts- und Erdkundestunden immer so richtig aufzumöbeln. Ein flotter Spruch, niemals beleidigend, und eine lauthals lachende Bande Mitgepeinigter ging auf die Barrikaden und der Pauker auf die Palme.

Ich weiß nicht, ob es schon einmal Erwähnung gefunden hat, ich war Schüler einer privaten katholischen Schule, oder auch „Nonnenbunker“, im beschaulichen Menden im Sauerland. Vormals als Kloster errichtet, wurde jene Einrichtungen über den Werdegang eines Lyzeums, eine reine Mädchenschule, letztlich zur allgemeinen Massenschlachterei für schlechtes Benehmen und Hantelkammer gegen den Satan ausgebaut, ein Bootcamp der Frömmigkeit sozusagen. Eine völlig fröhliche, weltoffene und moderne Bildungseinrichtung also, in dem stets darauf geachtet wird, dass man gute Laune an Nachbarschulen outsourced. Um Benimm und Gottesfurcht zu lehren, stehen den Big Sisters des ehemaligen Klosters statt Televisor viele andere kreative Werkzeuge zur Verfügung. Zur Zucht der Ungehorsamen zum Beispiel erfüllt ein kleiner Teich mit samt Park seinen Zweck, da er mit Reinigungsnot aufwartet, wo immer ein Obertertianer vorm Schultor beim Rauchen erwischt wird. Auch das Kaugummikauen im Unterricht wird, pädagogisch korrekt, mit dem Entfernen eben jener festgefahrenen Kautschuksüßigkeiten vom Lehrerparkplatz geahndet. Mit einem stumpfen Messer aus der Kantine. Und es gibt da noch etwas, auf das unwiederbringlich die Todesstrafe oder lebenslanges Vaterunserbeten in der Kapelle folgt: Ein ungefähr vier Meter langer Flur zwischen Lehrerzimmer und Treppenhaus des Altbaus, gegenüber vom Eingang zur Kapelle, von dem aus, so munkelte man, Zutritt zum Paradies und Wetterbüro Sankt Petri möglich war. Das Betreten jenes Zwischenflures war, das bekam man bereits als Sextaner zur Einschulung unmissverständlich eingeimpft, der direkte Weg zu Luzifer und seinen gefallenen Engelskameraden. Wollte ein Schüler von dieser Seite des Treppenhauses also zum Lehrerzimmer gelangen, musste er einen Umweg über die darüber oder darunter liegende Etage, hinüber in den Neubau und zurück, in Kauf nehmen. Kein Scheiß. Nicht selten wurden an dieser Stelle Mutproben ausgerufen, denen ich mich allerdings nie zu stellen traute, zu kostbar war mir die diesseitige Existenz.

Ich war immer vorsichtig. Habe nicht in den Gängen auf dem Boden gesessen, habe mich nie über die Aufzüge der Nonnen lustig, noch jemals im Reli-Unterricht blasphemische Äußerungen gemacht. Daher bin ich Gott sei Dank nur einmal der kalten Hand eines Graupinguins zum Opfer gefallen. Keine Ahnung, was ich damals verbrochen hatte, bestraft wurde ich damit, alte Socken als Spenden für die Caritas zu falten und in Kisten zu verpacken. Seit an Seit mit der Schulleiterin, deren rückkoppelndes Hörgerät mir bis heute schlaflose Nächte bereitet und in meinen Albträumen stets als gekreuzigtes Monster in Nonnenkluft erscheint, das wie ein Nazgul in diesen Frequenzen boshaft meinen Namen schreit. Nur im Unterricht der „normalen“ Lehrkräfte ohne Kutte und sonderbarem Namen traute ich mich den Entertainer zu mimen, um Kameraden sowie vor allem –innen zu imponieren. Dieser jugendliche Drang nach Selbstdarstellung hängt mir natürlich noch bis in die heutige Zeit nach, ich wäre sonst wohl kaum Frontmann, Singer and Songwriter sowie unbändige Rampensau. Und trotz meines Erwachsenwerdens, trotz der herannahenden Bodenständigkeit, so dachte ich bis vor Kurzem, bin ich der blödelnde Freigeist geblieben, der damals Stilblütenproduzent höchsten Ranges in der letzten Reihe der Schulbank gewesen ist. Ich bin vom Gegenteil überzeugt worden. Ich werde piefig. Ich beginne, einen Stock im Arsch zu züchten.


Es war ein recht kalter Montagmorgen, Schnee lag auf den Bänken des Nordmarktes, als ich zusammen mit meiner Freundin und meinem fünf Monate alten Sohn in die Wassergymnastikanstalt des Hörder Josefshospitals fuhr. Babyschwimmen. Oh mein Gott. Lauter kleine Wasserphobiker mit der Lizenz zum auditiven Mord. Die von ihren Erzeugern dazu gezwungen werden, literweise Chlor zu schlucken und dabei um ihr Leben zu winseln. Und ich mittendrin. Das war meine Erwartung. Was kommen sollte, lag jenseits meiner Vorstellungskraft und zeigte mir mein hässlich verspießtes Spiegelbild auf der Wasseroberfläche des pinkelwarmen Reha-Bades.

Wir betraten den stark geheizten Poolraum, ich mein Kind auf dem Arm. Was mir als allererstes wie eine Backpfeife in Gesicht sprang, war die Tatsache, das ich unter den anwesenden Elternteilen der einzige Sack zu sein schien. Alles andere war adrett in Badeanzüge gekleidet und bereits dabei, die jeweils eigene Brut im warmen Nass umher zu werfen. Was schon ein schreckensvolles Bild war, mich aber dennoch nicht davon abhielt zu den Damen ins Wasser zu steigen. Meine Herzdame wollte vom Beckenrand aus zuschauen und den Niedergang meiner Männlichkeit beobachten. Als sich alle Teilnehmer des Kurses versammelt hatten, wurden wir von der Leiterin dazu aufgefordert einen Kreis zu formen. Im Wasser. Warum immer Kreise… Warum selbst hier… Was dann kam, trieb mir so rasant die Schamesröte ins Gesicht, dass ich am liebsten samt Kind untergetaucht wäre, um an einem thailändischen Badestrand wieder aufzutauchen. Die Frauen hielten ihre Kinder vor sich in die Mitte und begannen zu singen. Auf der grünen Wiese steht ein Karussell, manchmal fährt es langsam, manchmal fährt es schnell… An entsprechender Stelle begann der Kreis sich zu drehen, zu stoppen und in die andere Richtung das Tempo zu erhöhen. Außerdem schienen alle Damen den Text zu kennen. Ich indes hatte die Verschwörung erkannt, suchte die versteckte Kamera und war bald von der Virtuosität dieser Wassernixen vollkommen in die Flucht geschlagen. Mmm, Bäh macht der kleine Frosch am Teich, anstatt Quak quak quak quak quak… (bei den Mmm, Bähs natürlich so bescheuert wie es nur eben geht die Zunge herausstrecken). Was sollte ich nur tun? Ich verzog mich mit meinem Kurzen in eine sichere Ecke des Pools und begann vorsorglich, ihn vorm Einlullen durch die Sirenen zu beschützen. Entgegen ihrer hypnotisierenden Melodien sang ich leise für ihn ein Karnevalslied. Kutt erop, kutt erop, be Pallems da is dä Pief verstupp, jetzt hätt die ärm Frou Pallem die janze Stub voll Quallem… Ganz zur Verwunderung der Meerjungfrauen, die mich kritisch beäugten und mit Häme bedachten. Zum Abschluss gab’s noch einmal Wasserkreis und natürlich ein Lied. Alle Leut‘, alle Leut‘ geh’n jetzt nach Haus. Dicke Leut‘, dünne Leut‘, große Leut‘, kleine Leut‘… usw. usf. Dann war ich befreit aus den Klauen der Sirenen. Ich verließ fluchtartig das Wasser und brachte mich und meinen Spross in Sicherheit. Meine Freundin übernahm in Folge die Obhut des Kindes für den Kurs, während ich zu Hause in Sicherheit blieb.


Liegt es nun an meiner Angst gegenüber fremdgeschlechtlichen Vereinigungen oder bin ich doch endlich so erwachsen geworden, dass ich solchen Quatsch nicht mehr mitmachen kann? Mmm, Bäh! Vielleicht ist es aber doch wieder nur mein verkorkster Hang zur Opposition, der schon zu Schulzeiten meinen Namen ins Klassenbuch beförderte. Habe ich nun Grund zur Sorge oder darf ich mit Fug und Recht behaupten, immer noch der Alte zu sein?

Vielleicht war es auch nur mein übertrieben literarisch mythischer Sinn, der jenes Unbehagen evozierte, das in Zusammenhang mit diesen singenden Frauen im Wasser zusammenhing. Odysseus nämlich verstand es, mit ähnlichem Kalkül diesen Wesen gegenüber zu treten. Andererseits hätte ihn die Begegnung mit den Sirenen vielleicht das Leben gekostet. Dank also dem griechischen Abenteurer, der mich bei der Wassergymnastik in Hörde vor Schlimmerem bewahren konnte.

Cheers! h*

Freitag, 5. Februar 2010

…ein kleiner Nachtrag zum letzten Post


Just zwei Tage nach meinem letzten Post sprach ich mit einem Freund, der mir eine schier unglaubliche Geschichte erzählte. Er stieg dem Spannungsbogen einer Kurzgeschichte entsprechend medias in res mit den aufwühlenden Worten ein: „Ey, ich war im Knast.“ Natürlich war ich geschockt. Doch eher wegen des Warum, nicht, weil es mich schocken würde, dass ich mich mit Leuten umgebe, die mir solche Geschichten erzählen. Dass ich Menschen kenne, deren Grobschlächtigkeit sie in Institutionen befördern, deren bloße Erwähnung meiner Mutter ein Dorn im Auge gewesen wäre. Sie hätte mir auf der Stelle den Umgang verboten – genauso wie sie es für wichtig hielt, mich von Bands wie den Böhsen Onkelz und den Ärzten fernzuhalten. Völlig erfolglos, selbstverständlich.
Möglicherweise erwähnte ich bereits, dass ich streng christlich erzogen wurde, Kommunion wie Firmung für mich keine Frage waren, mehr noch das Messdienerdasein für mich eine dermaßen erfüllende Tätigkeit darstellte, dass ich es niemals für möglich gehalten hätte, mit Outlaws jenen Charakters in Kontakt zu geraten. Allerdings: Hätte ich nicht die Kurve gekriegt, auf der Schule den ein oder anderen nicht kennengelernt, der mir die Haare verfilzte –Danke, Jungs! – und mich auf den Weg brachte, der weg von der kirchlichen Unvernunft führte, würde ich heute noch Weihrauch schwenken, Kreuze tragen und dem Bischof des Nachbardorfes 60 Minuten lang seine Mütze halten (bescheuerter Job, ehrlich…). Aber so war es abzusehen. Meine Mutter sähe nämlich genau darin, in meiner werdenden Mündigkeit, die mich weg vom katholischen Glauben, hin zur Vernunft brachte, die Gefahr, die jetzt offenbar wurde. Es war soweit. Ungefähr zehn Jahre nach meiner beginnenden Abtrünnigkeit vom Wege Gottes, zehn Jahre nach meiner ersten CD der Toten Hosen mit dem – für den Haushalt Weyland – aufregenden und blasphemischen Titel „Die Toten Hosen – Unterwegs im Auftrag des Herrn“, eine Live-CD, die ich damals eckig gehört habe, passierte es wirklich: Jemand in meinem nächsten Bekanntenkreis war im Knast!

Sag mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist
. Schlaue Sprüche. Mitgehangen, mitgefangen. Ja, scheiße auch! Und ich war noch total perplex, als ich als Jugendlicher auf der Dorfkirmes von den dortigen Italienern verprügelt wurde, weil mein bester Freund, mit dem ich damals die Runden machte, Bomberjacke und weiße Schnürsenkel trug. Was mir egal war, er war ja schließlich mein Freund. Ich begriff erst viel später, wie schlimm es um seine geistige Gesundheit stand. Und jetzt das. Knast! Sicherheitsverwahrung! Ein guter Freund! Meine Mutter hätte mich sofort aus der Gemeinschaft der Christen exkommunizieren lassen, hätte sie gekonnt. Solche Menschen in meinem Umfeld…

Doch ist es jetzt sein vermurkster Charakter oder der Charakter der Gesellschaft, der ihn soweit brachte? Naja, zumindest begünstigte offenbar Alkohol die Entwicklung jenes Dramas, was sich zwei Nächte zuvor abgespielt hatte. Er lacht zwar mit der Pulle in seiner Hand, allerdings sind die Schrammen in seinem Gesicht deutlich zu erkennen. „Siehst du? Da haben sie mich auf den Boden gedrückt. Nur weil ich dazwischen gegangen bin.“

Wegen einer Falafel in einem Bus nämlich entbrannte die Tragödie. Ein offenbar magenschleimhautkranker, vergrätzter Vollspaten hinter dem Lenkrad seines Personenbeförderungsmittels, hatte wohl in dieser Nacht extrem schlecht geschissen und die gute Laune meines Kompagnons vertrug sich nicht mit seinem blutigen Breistuhl. Und als der unterbezahlte Armleuchter dann auch noch den Imbiss in der Hand meines Freundes erspähte, – sofort sprang die im Workshop antrainierte Alarmleuchte an (ich berichtete, 28.01.2010)– da war es um die Menschlichkeit geschehen. Der natürliche Widerstand des angetrunkenen Inhabers der Falafel führte bei unserem Herrn Nachtschichtler zu derart heißer Galle, dass der kurzerhand die Polizei verständigte. An der nächsten Haltestelle flogen also nicht nur Kumpan samt Fresstüte, sondern auch dessen Freundin aus dem Gefährt. Die Herzdame wurde an Ort und Stelle in Gewahrsam genommen, was natürlich meinem Freund nicht passte. Der ging dazwischen, wurde niedergeprügelt und wie ein Schwerverbrecher sofort in Sicherheitsverwahrung genommen.

Meiner Meinung nach wäre das eine astreine BILD-Schlagzeile: Im Knast wegen Falafel. Oder: Staatsgewalt rastet wegen Futterneid aus. Wie auch immer, irgendetwas stimmt nicht mit unserem ÖPNV. Ich erinnere mich an meine hochschwangere Freundin, der die Mitfahrt im Bus verweigert wurde, da sie ihre Wasserflasche mit sich trug. Im Hochsommer. Wo ein normaler Kreislauf sich schon in ein Karussell verwandelt. Ganz zu schweigen von einem hormonmalträtierten, der dazu noch anderthalb mal mehr Weg macht.

Liebe Busfahrer, ich kann verstehen, dass ihr untervögelt seid, wegen eurer beschissenen Schichten, der dreisten Gäste und der vielen Schlaglöcher, vor allem jetzt im Winter. Es muss schwierig sein, sich alle Nase lang neue Preise merken zu müssen und sich an neue Technologien zu gewöhnen. Und trotzdem immer den gleichen Weg zu fahren, nix Neues zu sehen. Ihr tut mir leid. Ehrlich. Die marodierende Jugend zu ihren Bildungsstätten zu fahren und nachts die desillusionierten Brechdurchfälle aus den Ecken wischen zu müssen. Aber, hey, Taxifahrer haben auch einen üblen Job. Ganz zu schweigen von den Lehrern. Und warum ein wahrhaft wohlsortierter Mittzwanziger, Student und frisch Verliebter, in Feierlaune samt Freundin im KNAST landet, wegen einer bekackten FALAFEL!, ist mir einfach unerklärbar. Und leider fehlt mir da auch jedwede Fähigkeit zur Contenance. Sorry hierfür…
Cheers! h*